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Von:
S. Burdach [sb@mikrokulturen.de]
Gesendet: Donnerstag, 23. Mai 2002 18:05
An: medienphilosophie@yahoogroups.de
Betreff: Re: [medienphilosophie] Flugblatt
hier
also ein Entwurf für sowas wie ein filmisches Flugblatt.
sowas ist übrigens recht schnell gemacht. Ergänzungs-
oder Änderungsvorschläge sind willkommen (beispielsweise
betreffend die Frage eines "Wir", das da konstituiert
wird und spricht).
Der
Tonfall ist bewusst etwas barsch und und arrogant gehalten,wie Romeo
vorhin sagte, "wenn sie keinen Bock haben auf unseren Kunstscheiss,
dann haben wir halt auch keinen Bock auf ihren Scheiss"
Im
Gegensatz dazu sind Ton und Bild eher funkelnd-glitzernd, abstrakt
und ambivalent. Ich glaube nicht, daß irgendeine wilde Protestästhetik
oder was "witziges" mit so einem Text funktioniert.
Der
Ton ist ein Teil des Stückes "Gayane Ballet Suite"
(aus dem Film 2001) von Aram Khachaturian, also langsame, klassische
Musik (Der Hauptdarsteller Floyd joggt dazu durch das Raumschiff,
während die anderen in Schlafsärgen liegen, wenig später
fragt der Bordcomputer Hal Floyd "Hast du wieder gemalt?"
und Floyd zeigt ihm Bilder)
Auf
der Bildebene sieht man hinter dem weissen Text so ein diffuses,
glitzerndes unscharfes Ding, das sich langsam um die eigene Achse
dreht und auf den Betrachter zufliegt,
und schwer einzuordnen, aber angenehm anzusehen ist.
hier
der Text:
Der
Hamburger Senat versucht
zur Zeit, das Filmstudium aus
dem Rahmen Kunsthochschule
zu lösen und somit Film
und bildende Kunst, die hier
bisher in Fragestellungen und
Arbeitsweisen eng verwoben sind,
strukturell zu trennen.
Der
neoliberale Geist des
inzwischen berüchtigten
"Letter of Intent", den zu
unterschreiben die Hamburger
Hochschulpräsidenten
genötigt wurden,
zeigt sich hier nun auch in
seinen Auswirkungen auf die
Filmausbildung in Hamburg,
die vollends auf die
Personalanforderungen
einer medial gesteuerten
kapitalistischen Gesellschaft
zugeschnitten werden soll.
Wir
als Studenten lehnen
den geplante Aufbau
einer sogenannten
"Medienakademie" mit
entsprechenden Studiengebühren
(1200 Euro/Monat) und
"wirtschaftsnaher" Ausbildung
(Studiengang Werbefilm etc.)
dankend ab.
Ebenso
bitten wir doch
darum, die gerade
stattfindenden Versuche der
Zerschlagung des Filmbereichs
der Hochschule für bildende
Künste, Hamburg,
als einem der wenigen
verbliebenen Orte,
wo ein freies Arbeiten
mit Film möglich ist,
zu unterlassen.
Eure
langweiligen Komödien
und Werbefilmchen
wollen wir nicht drehen.
Wir
fordern die Rücknahme
der Stellenstreichungen und
Umstrukturierungsversuche
des Senats, stattdessen
wünschen wir Mittel für
neue Stellen,
um endlich wieder eine
Ausbildung zu ermöglichen,
die den Anforderungen
unserer Arbeit genügt,
und die Umsetzung des an der
Hochschule erarbeiteten
eigenen Reformkonzeptes.
Studenten der HfbK Hamburg
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